Kurban – das Fest der Annäherung

In den kommenden vier Tagen begehen Muslim:innen das höchste religiöse Fest des Jahres, das Kurban-Fest. Dieses befindet sich im islamischen Monat „Dhu l-hiddscha“, und beginnt nach dem zentralen Tag von Arafah. An diesem Tag stehen die Pilger:innen am Berg Arafat und beten vom Mittag bis zum Abend in vollständiger Konzentration auf Gott.

Begrifflich ist „Kurban“ mit der Annäherung des Menschen an Gott und Freundschaft in Gott verwandt. In diesem Geiste bilden Hingabe, das Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit, sowie die Geschwisterlichkeit und Versöhnung das Herz des Festes. Die Gläubigen werden aufgerufen einander in Solidarität zu begegnen und im Dienst am Menschen, der in Armut und in Not ist, reich zu werden.

Die zentrale Figur ist der Prophet Abraham (f.s.). Er zählt im Islam zu den wichtigsten Propheten und wird in 25 Suren des Korans insgesamt 69 Mal namentlich erwähnt; die 14. Sure trägt seinen Namen. Aufgrund der Tiefe seines Glaubens, seiner Erkenntnis des Einen und einigen Gottes (Tauhīd), und eines Lebens in Geduld und Hingabe wird er im Koran (4:125) als „Halīl(ullah)“, Freund Gottes, bezeichnet. Als Sinnbild für seinen reinen Glauben wird Abraham in einem Abschnitt des täglichen Gebets mit den Worten „Gott, segne Muhammad und das Haus Muhammads, so wie Du Abraham und das Haus Abrahams gesegnet hast“ gelobt.

Ein Ritual des Festes stammt aus einer Erzählung im Koran, die auch aus dem Alten Testament (Gen 22,1-19) bekannt ist. Nach muslimischer Überlieferung ist sie wie folgt:

Eines Nachts träumt der Prophet Abraham (f.s.), dass er seinen über alles geliebten Sohn opfert. Mit der Last des Traumes berichtet er seinem Sohn von dem Traum. Der Sohn versteht, dass es um eine Geduldsprobe geht und spricht „Mein Vater, handle so, wie dir befohlen wird; du wirst mich, so Gott will, geduldig finden.“

Das grenzenlose Vertrauen der Beiden führt schließlich dazu, dass sie sich auf den Weg machen. Im letzten Moment stoppt Gott das Vorgehen und gestattet ihm stattdessen einen Widder zu opfern.

Muslim:innen schöpfen aus diesem Ereignis die Kraft und Übung in Gottvertrauen angesichts des Verlustes, der Ratlosigkeit und Verzweiflung. Sie erkennen, dass sie Gott allein mit dem eigenen Bewusstsein entgegentreten können: „Weder ihr Fleisch noch ihr Blut erreicht Allah, sondern es erreicht ihn allein die Takwâ, die ihr ihm entgegenbringt.“ [22: 37]

Nach einem Prophetenausspruch wird empfohlen, einen Teil des Fleisches an Bedürftige abzugeben. Es ist ein Akt der Fürsorge und Nächstenliebe zum Anderen: „Von all dem Lammfleisch ist nur das verschenkte von Gewinn.“

Einige muslimische Gelehrte betonen, dass es hier um eine persönliche Gottesbeziehung geht, in der Abraham (f.s.) die Möglichkeit erhält, seine unerschüttlerliche Liebe zu Gott Kund zu tun. Das Entscheidende für die damalige Gesellschaft war aber sicherlich, dass die Praxis der Menschenopfer, die in vielen Kulturen noch üblich war, ein für alle Mal verboten wurde.

Gefeiert wird ähnlich wie am Ramadan-Fest. Morgens steht der Moscheebesuch an. Zusätzlich versuchen die Gläubigen über besondere Gebete Anteil an dem diesjährigen Hadsch, der Pilgerschaft, zu erhalten. Am Vortag wird gefastet und um Vergebung gebeten. Die Kurban-Spenden werden oft über internationale Hilfsorganisationen an Bedürftige auf der ganzen Welt überreicht.

Das Kurban- Fest ermöglicht uns auch über Abraham (f.s.) als Stammvater der monotheistischen Religionen in den Austausch zu treten und somit den interreligiösen Dialog zu fördern. Sein Erbe verbindet uns und ruft auf zum gemeinsamen Einsatz für Frieden, Gerechtigkeit und das Leben in Gemeinschaft.

Wir wünschen allen Feiernden ein gesegnetes Fest und eine besinnliche Zeit.